Zeit zum Durchatmen

Prof. Dr. med. Klaus F. Rabe ist Ärztlicher Direktor der LungenClinic in Großhansdorf. Im persönlichen Gespräch mit “Healthcare & Life” erklärt er, welchen Einfluss die Umwelt auf unsere Lunge nehmen kann, dass täglich bereits 15 Minuten Bewegung an der frischen Luft Wunder bewirken können und dass selbst der Lunge gesunde Ernährung gefällt.

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Fragen an Professor Rabe

Im Rheinland (Neuss) geboren, verheiratet und Vater von drei Kindern, studierte er von 1977 bis 1983 Medizin an der Hamburger Universität. Danach arbeitete Prof. Rabe in vielen Ländern, z. B. in Amerika, in England, der Schweiz und den Niederlanden. Seit 2010 ist er Ärztlicher Direktor der LungenClinic. Prof. Rabe bezeichnet sich als "unabhängigen Geist und einen neugierigen Menschen". Er geht jeden morgen um 6 Uhr in einem Freibad schwimmen, läuft Marathons und sammelt leidenschaftlich gern Trinkgläser aus dem 19 Jahrhundert.
Prof. Dr. med. Klaus F. Rabe
Im Rheinland (Neuss) geboren, verheiratet und Vater von drei Kindern, studierte er von 1977 bis 1983 Medizin an der Hamburger Universität. Danach arbeitete Prof. Rabe in vielen Ländern, z. B. in Amerika, in England, der Schweiz und den Niederlanden. Seit 2010 ist er Ärztlicher Direktor der LungenClinic. Prof. Rabe bezeichnet sich als “unabhängigen Geist und einen neugierigen Menschen”. Er geht jeden morgen um 6 Uhr in einem Freibad schwimmen, läuft Marathons und sammelt leidenschaftlich gern Trinkgläser aus dem 19 Jahrhundert.
Foto: Corinna Nougat

Wann haben Sie zuletzt einen Patienten glücklich erleben dürfen?

Heute, vor ein paar Stunden. Ich habe einem Patienten, ein 80-jähriger Mann und Vater, mitgeteilt, dass er nach Hause gehen darf. Der ältere Herr machte sich Sorgen, wie es denn mit ihm weitergeht und ich konnte ihm sagen, dass er nichts Schlimmes hat. Das machte ihn natürlich sehr glücklich. Wir haben häufig Patienten, die mit einem Verdacht auf einen Tumor zu uns kommen. Sobald wir ihnen sagen können, dass wir auf dem Röntgenbild sehen, dass es kein Krebs ist, sondern eine Entzündung, dann sind die Patienten häufig sehr erleichtert und einfach glücklich.

Welche Eingriffe nehmen Sie am häufigsten vor?

In meinem Arbeitsalltag mache ich sehr viele endoskopische Untersuchungen und alles, was kranke Atemwege betrifft. Zum Beispiel entnehme ich viele Proben aus der Lunge. Als Pneumologe mache ich von Intensivmedizin über Beatmung bis hin zur Diagnostik alles. Das Krankenhaus operiert sehr viel im Bereich Lungenkrebs. Das sind die häufigsten Eingriffe, die hier vorgenommen werden. Wenn ein Patient einen Tumor hat und dadurch ein Stück der Lunge entfernt werden muss, dann machen dies natürlich unsere Thoraxchirurgen.

Sind die von Ihnen behandelten Krankheiten genetisch, von der Umwelt oder vom Lebenswandel bedingt?

Alles drei. Es gibt Erkrankungen der Lunge, die klar genetisch bedingt sind. Beim Asthma zum Beispiel besteht eine bestimmte genetische Veranlagung, aber keine genetische Krankheit im strengen Sinne. Dann gibt es die sogenannte Epigenetik. Das heißt, dass Umweltfaktoren die genetischen Anlagen so modellieren, dass die Erkrankung früher ausbricht oder der Krankheitsverlauf ernsthafter entwickelt ist. Dazu kommen viele Krankheiten, die durch Umwelteinflüsse hervorgerufen werden. Lungenerkrankungen kennen beispielsweise viele berufliche Ursachen. Jemand, der viel Staub einatmet, wird Schäden an der Lunge erleben, die eindeutig auf diese Einflüsse zurückzuführen sind. Asbest ist ein Beispiel dafür.

Welche drei Empfehlungen für eine gesunde Lunge haben Sie?

Erstens: Aufhören zu rauchen. Zweitens: Eine gesunde Lunge profitiert davon, wenn man körperlich aktiv ist. Das gilt insbesondere für chronische Erkrankungen. Es gibt inzwischen sehr interessante Untersuchungen die zeigen, dass sich regelmäßige, tägliche Bewegung von lediglich 15 Minuten vorbeugend auswirkt. Und drittens sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko schlichtweg ausgewogen leben. Eine gesunde Lebensführung ist in solchen Fällen sehr wichtig. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Vermeiden von Rauchen, vernünftige Ernährung und körperliche Aktivität der Lunge zugutekommt. Das gilt übrigens für jedes Lebensalter.

Wie kamen Sie dazu, sich als Mediziner auf den Bereich der Pneumologie zu spezialisieren?

Ich bin einer von den nicht seltenen Lungenärzten, die selber von Asthma betroffen sind. Schon seit ich Kind war, habe ich mich mit der Lunge auseinandersetzen müssen. Ich habe also eine relative Nähe zu Lungenerkrankungen. Zudem bin ich familiär “belastet”, weil wir in meiner Familie Ärzte haben. Zusätzlich bin ich während meines Studiums in Hamburg lange auf den Intensivstationen im Marienkrankenhaus tätig gewesen und bin anschließend in die Tuberkulose- und Lungenabteilung gekommen. Ich wusste also relativ früh, dass ich mich auf die Pneumologie spezialisieren möchte.