Mit geradem Rückgrat durchs Leben

Prof. Dr. med. Henry Halm, seit 2000 Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie mit Skoliosezentrum an der Schön Klinik Neustadt und Leiter des Beratungszentrums am Rödingsmarkt, erzählt in HANSEstyle, wie die Wirbelsäule vor Verschleiß geschützt werden kann, wie internationale Behandlungsstandards aussehen und dass Operationen immer als letzte Option in Betracht kommen sollten.

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Professor Halm über…

Prof. Dr. med. Henry Halm Henry Halm, geboren in St. Louis (USA), absolvierte sein Studium an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf. Es folgten Stationen bis zum Chefarzt in Hemer, Bad Wildungen sowie an den orthopädischen Universitätskliniken Düsseldorf und Münster. Der Mediziner, der zwei Töchter hat, entwickelt seit 1993 kontinuierlich mit international agierenden Medizintechnikfirmen Implantate zur Formkorrektur und Stabilisierung von Wirbelsäulendeformitäten.
Prof. Dr. med. Henry Halm
Henry Halm, geboren in St. Louis (USA), absolvierte sein Studium an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf. Es folgten Stationen bis zum Chefarzt in Hemer, Bad Wildungen sowie an den orthopädischen Universitätskliniken Düsseldorf und Münster. Der Mediziner, der zwei Töchter hat, entwickelt seit 1993 kontinuierlich mit international agierenden Medizintechnikfirmen Implantate zur Formkorrektur und Stabilisierung von Wirbelsäulendeformitäten.
Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar

… häufige Operationen in seinem Alltag als Chirurg

Da ich mich seit über 25 Jahren praktisch ausschließlich mit der Wirbelsäulenorthopädie bzw. -chirurgie beschäftige, decke ich das gesamte Spektrum in Bezug auf Erkrankungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule ab. Dazu gehören neben mikrochirurgischen Eingriffen bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen an der Hals- und Lendenwirbelsäule insbesondere auch Korrektur- und Stabilisierungsoperationen bei Instabilitäten bzw. Deformitäten der Rumpfwirbelsäule. Patienten mit Wirbelsäulendeformitäten, z. B. Skoliosen, kommen oft von weit her, um sich bei mir operieren zu lassen, zunehmend auch Patienten aus dem arabischen Raum und Osteuropa.

… Operationen in der ganzen Welt

Vor Kurzem z. B. bin ich aus Delhi zurückgekehrt, wo ich einige komplexe Rekonstruktionen bei Wirbelsäulendeformitäten im Rahmen eines Kongresses mit Live-OP-Demonstrationen durchgeführt habe. Diese OPs wurden in einen Hörsaal mit 120 angereisten Neurochirurgen übertragen, um ihnen diese OP-Techniken nahezubringen. Gerade das Lehren in Schwellenländern ist sehr befriedigend, da unter den dortigen Kollegen eine hohe Bereitschaft besteht, ihr Niveau auf das des Westens anzuheben. Die Operationssäle sind im Übrigen erstaunlich gut ausgestattet. Im Rahmen der Entwicklung eigener Implantatsysteme zur Korrektur von Wirbelsäulendeformitäten habe ich bereits in vielen Ländern dieser Welt operiert: China, Indien, Brasilien, Russland, Arabische Emirate, USA sowie zahlreichen europäischen Ländern.

… das Alter seiner Patienten

Ich behandele Patienten aller Altersgruppen. Das jüngste Kleinkind, das ich wegen einer schweren Wirbelsäulendeformität behandeln musste, war zwei Jahre und drei Monate alt. Für solche Fälle haben wir einen Kooperationsvertrag mit dem UKSH (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Campus Lübeck, wodurch ich für die Nachbehandlung auf die Expertise der Kollegen der Kinderintensivstation zurückgreifen kann.

… Gründe für Wirbelsäulenerkrankungen

Alle genannten Erkrankungen bzw. Erkrankungsfolgen spielen eine Rolle. Ich behandele viele Kinder und Jugendliche mit Wirbelsäulendeformitäten, insbesondere Skoliosen. Das sind ausgesprochen dankbare Eingriffe, da die Erfolgsquoten trotz komplexer Operationen sehr hoch und die Risiken und Komplikationen gering sind. Infolge des demographischen Wandels nehmen die Verschleißerkrankungen an der Wirbelsäule dramatisch zu, so dass auch Patienten, zum Teil im 8. und 9. Lebensjahrzehnt in stetig wachsender Zahl Therapiebedarf aufweisen. Sofern irgend möglich, steht bei Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule immer die nicht-operative Therapie an erster Stelle. Operationen sind eine Ultima Ratio, also der letzte Schritt der Behandlungskette, sofern sinnvoll und vertretbar. Speziell auch aus diesem Grund haben wir das Beratungszentrum in Hamburg gegründet, um nach ausführlicher Diagnostik die Patienten umfassend über Vor- und Nachteile nicht-operativer und operativer Therapieformen aufzuklären.

… Tipps für eine gesunde Wirbelsäule

Verschleiß ist u. a. Folge eines Missverhältnisses von Belastung und Belastbarkeit zu Ungunsten der Belastbarkeit. Die Belastbarkeit ist bekanntlich individuell unterschiedlich, wobei hier sicher genetische Faktoren eine Rolle spielen. Es gilt aber auch: Wer rastet, der rostet. Längere Zwangshaltungen in ungünstigen Positionen, z. B. vornübergebeugt, sind also schädlich. Ebenso das Heben und Tragen schwerer Gegenstände in gebeugter Position. Fitnesstraining auf dem Stepper oder Crosstrainer sind empfehlenswert, auch das Stärken der Bauch- und Rückenmuskulatur. Ebenso ist Schwimmen sehr gut. Wichtig ist, dass es Spaß macht, sonst stellt man es über kurz oder lang ein. Und ganz wichtig: Nie Übungen machen, die Schmerzen verursachen!