„Gutes Fett macht schlank und schlau“

Nutzen schaffen! – ist das Motto von Dr. Anne Fleck. Die Medizinerin und Ernährungsspezialistin lebt und arbeitet in Hamburg. In HANSEstyle erzählt die bodenständige Ärztin von ihrer Pionierarbeit in der Vorsorge- und Ernährungsmedizin, vom richtigen Kauen und von ihren Fernsehauftritten.

http://www.docfleck.com/

 

Fragen an Dr. Anne Fleck

Dr. Anne Fleck Die gebürtige Saarländerin studierte in Leipzig, Italien und Frankreich. Als Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie arbeitete sie zunächst in der Charité. Sie promovierte 2009 und spezialisierte sich 2012 zudem auf den Fachbereich Ernährungsmedizin. Ein Jahr später ließ sich die Ärztin in Hamburg nieder und leitete das Facharztzentrum für Rheumatologie, Präventivmedizin und Ernährungsmedizin. Seit Juli 2015 ist sie am LANS Medicum Hamburg. Als „Gesundheits-Scout“ versucht sie stets den neuesten Stand der Forschung in Ernährungsempfehlungen umzusetzen. In der NDR-Fernsehsendung „Die Ernährungs-Docs“ demonstriert sie, wie man zum Teil schwere Krankheiten mit innovativer Ernährung lindern kann. Die begeisterte Hobby-Seglerin liebt das Meer und die Natur. Außerdem kocht, malt und zeichnet sie leidenschaftlich gern.
Dr. Anne Fleck
Die gebürtige Saarländerin studierte in Leipzig, Italien und Frankreich. Als Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie arbeitete sie zunächst in der Charité. Sie promovierte 2009 und spezialisierte sich 2012 zudem auf den Fachbereich Ernährungsmedizin. Ein Jahr später ließ sich die Ärztin in Hamburg nieder und leitete das Facharztzentrum für Rheumatologie, Präventivmedizin und Ernährungsmedizin. Als „Gesundheits-Scout“ versucht sie stets den neuesten Stand der Forschung in Ernährungsempfehlungen umzusetzen. In der NDR-Fernsehsendung „Die Ernährungs-Docs“ demonstriert sie, wie man zum Teil schwere Krankheiten mit innovativer Ernährung lindern kann. Die begeisterte Hobby-Seglerin liebt das Meer und die Natur. Außerdem kocht, malt und zeichnet sie leidenschaftlich gern.
Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar

Genuss und gesunde Ernährung – Wie passt das zusammen?

Alles, was man bewusst und achtsam tut, ist gesund und genau damit verbinde ich Genuss. Ich finde, dass wir viel zu viel darüber reden, ‘was’ wir konsumieren und nicht darüber, ‘wie’ und ‘wann’ wir etwas essen. Denn bereits mit dem Kauen beginnt die Verdauungskette. Das richtige Kauen übe ich sogar mit meinen Patienten. Dabei gilt die Faustregel: 10- bis 15-mal Kauen pro Bissen, bis man einen Brei im Mund hat. Ziel sollte sein, keinen Ernährungsextremismus zu betreiben, sondern eine gesunde Balance zu finden. Dabei spielt die Kultur des Essens und des Genießens eine enorm wichtige Rolle, denn sie führt u. a. Familien zusammen und fördert das achtsame Essen. Darüber hinaus hilft es Rituale einzuführen, wie beispielsweise das von mir entwickelte Doc Fleck Frühstück: Der eiweißreiche Magerquark und die hochwertigen Fette, in Form von Lein- und Weizenkeimöl, halten nicht nur lange satt, sondern man nimmt sogar nebenbei ab, weil man bereits morgens Kohlenhydrate spart.

Lange galt das Ernährungsdogma: fettarm und kohlenhydratbetont. Was hat sich geändert?

Die klassische Ernährungspyramide verbannt Fette – sie hat ausgedient. Wenn wir den Körper aus ihrer kleinsten Einheit – aus der Zelle – heraus, stärken wollen, müssen wir uns anschauen, wie sie aufgebaut ist: Ihre Schutzwand besteht aus Fett. Deshalb macht es Sinn, dem Körper hochwertige Fette zuzuführen. Ich will den Menschen die Angst vor den Fetten nehmen, denn gutes Fett macht schlank und schlau! Gesunde Öle (z. B. Leinöl, Weizenkeimöl, Hanföl) sollten aus biologischem Anbau stammen, kalt gepresst und in dunklen Flaschen vor Licht, Hitze und Sauerstoff geschützt sein. Nur so bleiben die lebenswichtigen Omega-Fettsäuren erhalten. Außerdem ist es wissenschaftlich belegt, dass eine fettarme Ernährung mit unserer emotionalen Balance in Wechselwirkung steht und beispielsweise sogar Depressionen fördern kann.

Wie wichtig sind heute Kohlenhydrate für die Ernährung?

Wir sollten Kohlenhydrate flexibel betrachten. Schließlich (ver-)braucht ein Sportler mehr Kohlenhydrate als ein Bewegungsmuffel. Entscheidend ist dabei die Auswahl und die Qualität der Kohlenhydrate: Anstatt Weizen gilt es Dinkel zu bevorzugen; das Getreide verfügt über viel Eiweiß. Außerdem sind Buchweizen, Kartoffeln, Süßkartoffeln sowie Amaranth, Quinoa und Hirse empfehlenswert. Auch hierbei gilt: Möglichst achtsam Kauen! Wer brotverliebt ist, dem sei feingemahlenes Vollkornbrot ans Herz gelegt.

Frühstück, Mittag, Abendessen: Warum ist es wichtig, Nahrung passend zu unserem Biorhythmus aufzunehmen?

Ein wichtiger Faktor, den wir viel zu häufig vernachlässigen, ist unsere innere Uhr. Nach dieser arbeiten unsere Organe. Deshalb bleibt das Drei-Mahlzeiten-Prinzip aktuell. Nur so kann der Körper Nährstoffe, Fett und Kalorien bestmöglich verwerten. Dabei spielt der Rhythmus eine wesentliche Rolle, denn es kommt auf die richtige Nahrung zur richtigen Zeit an! Es handelt sich beispielsweise um einen weitverbreiteten Irrglauben, dass Rohkost und Obst am Abend gesund sind oder gar das Abnehmen fördern. Dessen Verzehr zu später Uhrzeit kann vielmehr den Körper schädigen und zu schlechtem Schlaf, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Fettleibigkeit o. ä. führen.

Was ist der am weitesten verbreitete Ernährungsmythos?

Den pauschalen Irrglauben „Fett macht fett“ habe ich ja bereits angesprochen – es kommt immer auf die Qualität der Fette an. Außerdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass Diäten ein Allheilmittel seien. Doch beim Thema Essen gibt es kein Schwarz oder Weiß, kein Alles oder Nichts. Der Schlüssel besteht vielmehr darin, eine individuelle Ernährungsform zur Gewichtsreduzierung zu entwickeln, die zum Patienten passt. In der Regel sagt uns unser Körper, was er gerade braucht. Doch genau dieses natürliche (Hunger-)Gefühl haben wir verlernt. Deshalb sollten wir uns häufiger fragen: Mit welchem Gefühl esse ich? Denn es lassen sich zwei Formen unterscheiden: Einerseits der physische Hunger, wenn er Magen wirklich leer ist, und andererseits der emotionale Hunger, der häufig durch Langeweile, Frust oder Aggressionen motiviert ist und sich in der klassischen Lust auf etwas Süßes ausdrückt.

Welche Getränke kann man bedenkenlos zu sich nehmen und wie viel davon?

Es empfiehlt sich, täglich zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee zu sich zu nehmen. Auch Kaffee, sofern in Maßen genossen, ist völlig unbedenklich. Allerdings macht die Dosis das Gift: Wer deutlich mehr als 1 bis 2 Tassen des braunen Golds konsumiert, dem sei ein Basentee empfohlen, der einer Übersäuerung des Körpers entgegensteuert.

Wie lässt sich die ernährungsmedizinische Faustformel für einen gesunden Körper und gutes Aussehen auf den Punkt bringen?
Vielfalt ist der Schlüssel! Es gilt, möglichst abwechslungsreiche, natürliche Lebensmittel bewusst zu essen – und zu kauen. Diese sollten möglichst kohlenhydratarm sein, hochwertige Fette bzw. Öle enthalten und gemäß unserer inneren Uhr konsumiert werden. Fertigprodukte bitte wegen ihrer Zusatz- und Konservierungsstoffe meiden! Der Darm muss sich entfalten können und gesund im Alltag bleiben. So schöpft der Körper Energie und man fühlt sich fit und vital. Griechischer Joghurt, Avocado, Banane und Ei – das ist mein persönliches Fast Food. Trauen Sie sich, die gewohnte Nahrungskette zu durchbrechen und bleiben Sie neugierig!

Worauf sollte man beim Einkauf von frischen Lebensmitteln achten?

Die Gesundkueche
Buchtipp „Die Gesundküche: neuester Stand“ präsentiert die aktuellen Erkenntnisse der Ernährungsforschung. Dabei verfolgt das LANS Med Concept, welches von 70 Top-Medizinern und Spitzenköchen entwickelt wurde, eine ganzheitliche Betrachtung. Mit 75 alltagstauglichen Rezepten wird die Gesundküche direkt in die Praxis umgesetzt. 8.199 Z. Optional: Doc Fleck Frühstück Zutaten (für 1 Portion):
3 EL Frischmilch 3 EL Magerquark 1 EL Leinöl 1 EL Weizenkeimöl nach Belieben: 1 TL Honig 1 Spritzer Zitronensaft frisches Obst nach Geschmack: Mandelsplitter oder Nüsse Alle Zutaten mit einem Quirl oder Pürierstab mixen und in eine Schüssel geben. Nach Belieben mit Mandelsplittern, gehackten Walnusskernen oder leicht gerösteten Haselnüssen bestreuen.

Ich stelle mir immer die Frage: Kann ich das Produkt gut waschen? Vor allem bei Trauben, Rauke und Paprika sollte man deshalb vor allem Bioprodukte wählen. Auch TK-Gemüse empfehle ich gern, denn dieses hat häufig mehr Vitalstoffe und Vitamine, weil es bereits frisch eingefroren wurde. Auch die Herkunft von Fleisch sollte man kennen. Übrigens: Sojamilch betrachte ich eher kritisch, denn das Sojaprotein ist für uns nur schwer verdaulich. Wer keine Milch verträgt, sollte lieber zu Reis-, Mandel- oder Hafermilch greifen.

In der NDR-Sendung „Die Ernährungs-Docs“ geben Sie als ‘Doc Fleck’ Ratschläge. Wie kamen Sie zum Fernsehen?

Vom NDR wurde ich auf meine innovativen Konzepte in der Ernährungs- und Vorsorgemedizin angesprochen. Viele Kollegen sowie Freunde und Familie sagten mir: „Du hast eine Nachricht zu verbreiten, trau dich!“ Ich habe bisher ein tolles Feedback von Medizinern und Zuschauern aus aller Welt bekommen. Eines möchte ich dennoch festhalten: Die innovative Ernährungsmedizin ersetzt niemals die klassische, moderne Spitzenmedizin, aber sie ergänzt diese. So lässt sich mit bewusstem Essen beispielsweise niemals Rheuma bekämpfen, doch dies kann das Krankheitsbild positiv beeinflussen.