K(r)ampfansage

Varizen: kosmetisches Problem oder gesundheitliche Beeinträchtigung?

Im Hamburger Krankenhaus Tabea erfahren Venen-Patienten eine ganzheitliche und individuelle Betreuung. In HANSEstyle klärt Spezialistin Dr. Susanne Winter, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Phlebologie, darüber auf, warum Krampfadern eine ernstzunehmende Erkrankung sind und wie man ihnen vorbeugen kann.

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Dr. Susanne Winter
Geboren 1981 in Ludwigslust, widmete sich Susanne Winter ab 2000 dem Studium der Humanmedizin an der Christian-Albrechts-Universiät zu Kiel. Während ihrer Facharztausbildung im Krankenhaus Tabea spezialisierte sie sich auf die operative Dermatologie sowie operative und konservative Behandlung von Krampfadern. Seit 2014 ist sie als Oberärztin der Ambulanz der Abteilung für Venen- und Dermatochirurgie am Krankenhaus Tabea im Einsatz. Dr. Winter ist außerdem Mitglied der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Foto: Tim Wendrich

Fragen an Dr. Susanne Winter

Warum haben Sie sich innerhalb der Dermatologie für das Fachgebiet der Phlebologie, also der Gefäßerkrankungen, entschieden?

Meine Leidenschaft für die Phlebologie habe ich während meiner Facharztausbildung im Krankenhaus Tabea entdeckt. In der Phlebologie kann ich den Patienten komplett persönlich betreuen und so eine Kombination aus Diagnostik und operativer Arbeit anbieten.

Wie kommt es zum Auftreten von Krampfadern? Stellen sie eine gesundheitliche Gefährdung dar oder sind sie eine rein kosmetische Beeinträchtigung?

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an Krampfadern oder deren Minimalvariante, den Besenreisern. Von diesen müssen zirka 10 Prozent operativ behandelt werden. Die Ursache von Krampfadern ist meist eine angeborene oder altersbedingte Schwäche der Venenwand und der Venenklappen. Die Venen sind dafür verantwortlich, das Blut von den Beinen Richtung Herz zu transportieren. Damit das funktioniert, müssen die Venenklappen schließen. Funktioniert dieser Klappenschluss nicht mehr vollständig, versackt das Blut in den Beinen, die Venen dehnen sich aus und es kommt zu Krampfadern. Von den klassischen Krampfadern zu unterscheiden sind die sogenannten Besenreiser. Diese sind rein kosmetischer Natur und müssen nicht behandelt werden.

Durch welche Symptome äußern sich Krampfadern und ab wann sollten Betroffene sich behandeln lassen? Können bei einer Nichtbehandlung Spätfolgen auftreten?

Symptome, die oft geschildert werden, sind schwere Beine und ein Spannungsgefühl, vor allem nach langem Sitzen oder Stehen. Viele Patienten berichten auch von geschwollenen Knöcheln. Wenn diese Symptome ignoriert werden, können Spätfolgen oder Komplikationen auftreten. Nach einiger Zeit entstehen meist erste Hautveränderungen in Form von bräunlichen Verfärbungen. Diese werden oft begleitet von Juckreiz. Weitere Spätfolgen können ein „offenes Bein“ oder oberflächliche Venenentzündungen sein.

Müssen Krampfadern immer chirurgisch behandelt werden oder gibt es auch medikamentöse Therapien?

Grundsätzlich behandeln Medikamente nicht die Krampfader als solche, sondern lindern lediglich die Beschwerden, indem sie die Stärkung der Venenwand fördern. Patienten eines sehr fortgeschrittenen Alters und mit vielen Vorerkrankungen kann man auch eine konsequente Kompressionstherapie empfehlen. Bei jungen Patienten mit Krampfadern steht meist die kosmetische Beeinträchtigung im Vordergrund, die nur durch einen operativen Eingriff behoben werden kann.

Wodurch zeichnet sich die Behandlung im Krankenhaus Tabea aus und mit welchen technologischen Hilfsmitteln arbeiten Sie?

Neben der klassischen Venenoperation nutzen wir auch alternative Verfahren, wie beispielsweise die Radiowellentherapie, die mit Wärme arbeitet. Der Vorteil ist, dass kein Leisten- oder Kniekehlenschnitt notwendig und der Patient daher oft früher wieder einsatzfähig ist. Aufgrund unserer Spezialisierung können wir bedeutend mehr Patienten behandeln und so ständig unseren Erfahrungsschatz erweitern. Diese Bandbreite an Erfahrungen und Behandlungsmethoden minimiert die Komplikationsrate extrem.

Gibt es Erkrankungen, die das Auftreten von Krampfadern begünstigen? Welche Patientengruppen sind besonders gefährdet?

Ja. Beispiele hierfür sind die Adipositas und die tiefe Beinvenenthrombose. Ein erhöhtes Risiko besteht auch in einer Schwangerschaft, da das Hormon Progesteron, welches in dieser Zeit ansteigt, zu einer Venenerweiterung führt.

Welchen Rat können Sie unseren Lesern geben, um Krampfadern vorzubeugen?

Menschen, die beruflich viel Zeit sitzend oder stehend verbringen, empfehle ich zum Ausgleich einen Ausdauersport. Weiblichen Patienten kann man zusätzlich raten, High Heels zu vermeiden, da das Tragen von hohen Schuhen den Venenrückfluss verlangsamt. Altbewährte Methoden, wie Wechselduschen oder allgemeines Venentraining verbessern die Blutzirkulation und können Beschwerden lindern. Krampfadern vorbeugen können sie jedoch nicht.